Freitag, 30. Dezember 2011
Herzrechnen.
138 kg
- 60 kg
______
78 kg


Meine Hosen bestellte ich in einem Onlineshop für Dicke. Die Enden der Hosenbeine schleiften auf dem Boden, wurden zwischen Schuh und nasser Straße zermalmt, bis ich lange Jeansfäden hinter mir herzog. Der Hosenbund saß auf der Hüfte. Weil ich nicht atmen konnte, wenn ich die Hose über den Bauch zog. Hinten guckte stets verlässlich ein Stück Arschritze raus, weil der Bauch die Shorts unten hielt. Wenn ich die Shorts hoch über den Bauch zog, um die Ritze zu bedecken, kniff der Stoff zunächst unangenehm in meine Eier, bevor der Bund kapitulierte und vom Bauch rutschte, so dass es unten weiter kniff und oben die Ritze trotzdem aus der Hose lugte.
Meine Schenkel scheuerten die Hosen zwischen den Beinen kaputt. Sie scheuerten früher oder später ein Loch hinein, das man zunächst ignorieren konnte, durch das man schließlich aber die eingeklemmten Eier hätte sehen können. Ständig brauchte ich neue Hosen, weil die alten unten und oben zerstört worden waren.
Meine T-Shirts in 3XL versteckten die Ritze, nicht aber die Speckrollen und Specktitten, sodass ich darüber immer noch eine Jacke trug. Sommer wie Winter. Ich schwitzte wie ein Schwein.

Ich bin 28 Jahre alt. Ich habe die letzten Jahre über in einem Nest aus Fett und Kleidung in Übergroße Winterschlaf gehalten. Ich habe ein paar kritische Dinge verschlafen. Liebe, Sex, Enttäuschung, Wut, Selbstverwirklichung. Ich bin nicht hier, um irgendwem zu sagen, dass man nicht glücklich sein kann, wenn man dick ist. Es geht hier nicht um das Glück oder den Speck der anderen. Es geht endlich um mich. Ich bin zu einer Reise zu mir aufgebrochen. Auf der ersten Etappe habe ich 60 kg verloren. Nun breche ich zur zweiten auf.
Ich werde lieben, ficken, enttäuscht sein und zornig, enttäuschen und zornig machen und mich selbst kennen lernen.

Ich bin wach.



Ich bin wach.

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